Ungarns Gasmarkt im Wandel

Ungarn ist im großen Maße abhängig von russischen Gaslieferungen. Ein vollständiger Wegfall russischer Gaslieferungen brächte das Land mächtig unter Druck. Ungarn strebt daher an, sich als Drehkreuz für den europäischen Gasmarkt zu etablieren.

Ungarn opponiert gegen Vorschlag der EU-Kommission

Die EU-Kommission hat einen Vorschlag vorgelegt, der den Import von russischem Erdgas spätestens ab 2028 vollständig verbieten soll. Das Verbot soll für neue Lieferverträge bereits ab 2026 gelten.

Ungarn kann die neuen Regelungen zwar nicht verhindern, aber den gesamten Prozess und rechtliche Konflikte auch im Hinblick auf die möglichen Ukraine-Friedensverhandlungen deutlich erschweren.

Hohe Abhängigkeit von russischem Erdgas

Ungarns jährlicher Gasverbrauch hatte sich seit der Energiekrise um rund 10-15 Prozent reduziert und liegt seitdem auf weitgehend stabilem Niveau bei rund 8,5 Mrd. Kubikmeter pro Jahr. Rund 5,5 Mrd. Kubikmeter pro Jahr werden aus Russland importiert, 2 Mrd. stammen aus heimischer Gasförderung, der Rest kommt aus Aserbaidschan und als regasifziertes LNG vom kroatischen Terminal Krk.

Ungarn hat zwar seit der Energiekrise den Anteil der russischen Gasimporte ein wenig reduziert, dennoch könnte der Anteil der russischen Gasimporte Ungarns im Jahr 2025 immer noch bei 65-70 Prozent liegen. Ein Großteil der russischen Lieferungen gehen auf den im Jahr 2021 geschlossenen 15-Jahres-Vertrag mit Gazprom zurück, der Ungarn 4,5 Mrd. Kubikmeter russisches Erdgas über die Turkstream-Pipeline sichert.

Ungarn war daher vom Ende des Gastransits durch die Ukraine nicht betroffen, da bereits zuvor die russischen Lieferungen auf die Balkanroute umgeleitet wurden. Als Balkanroute werden die möglichen verbliebenen Verbindungsrouten russischen Erdgas über Bulgarien/ Rumänien (Trans-Balkan-Pipeline/ BRUA-Pipeline) und Bulgarien/ Serbien (IBS-Pipeline) bezeichnet.

Große Speicher und Ausbau Gasförderung

Die ungarischen Gasspeicher sind im Vergleich zum Gesamtverbrauch mit einer Gesamtkapazität von rund 68 TWh recht groß dimensioniert. Die Gesamtkapazität entspricht in etwa dem durchschnittlichen Winterbedarf, jedoch können Spitzenverbräuche an Wintertagen dadurch nicht vollständig gedeckt werden.

Die heimische Gasförderung Ungarns lag im Jahr 2024 bei rund 2 Mrd. Kubikmeter. Ungarn möchte die Gasförderung ausbauen, ein zentrales Projekt dabei ist das Tight-Gas-Projekt Kiskunhalas, das mit Hilfe von Fracking, die Förderung von Erdgas ausweiten soll.

Pläne zur Diversifizierung des Erdgasbezugs

Im Jahr 2027 soll im rumänischen Schwarzen Meer das Gasfeld Neptun Deep ans Netz gehen. Die Reserven werden auf 100 Mrd. Kubikmeter geschätzt und Ungarn beabsichtigt, signifikante Mengen aus diesem Feld zu beziehen.

Ungarn schloss 2024 ein Abkommen mit Aserbaidschan und erwarb einen 5-prozentigen Anteil am aserbaidschanischen Gasfeld Shah Deniz. Die jährliche Produktion liegt dort bei knapp 30 Mrd. Kubikmeter, was einem Anteil Ungarn von bis zu 1,5 Mrd. Kubikmeter Erdgas entsprechen könnte.

Opposition gegen EU-Ziele

Dazu könnten in den nächsten Jahren die Lieferungen aus den LNG-Terminals in Kroatien (Krk) und Griechenland (Alexandroupolis) signifikant ausgebaut werden. Für das Krk-Terminal sind verschiedene Ausbaupläne in Diskussion, die die derzeitige Kapazität von 2,6 Mrd. Kubikmeter mehr als verdoppeln könnten.

Auch wäre ein Ausbau der Anbindung an Gasflüsse aus Österreich (Quellen: Norwegen, Deutschland) denkbar. Derzeit überwiegt jedoch die Opposition gegen die EU-Ziele und das Land setzt weiterhin auf Sonderkondition aus Russland.

Ungarn kalkuliert mit Mehrkosten für die Erdgasimporte in Höhe von 1,5 Mrd. Euro pro Jahr, sollte es zum Lieferverbot russischen Erdgas kommen. Daher positioniert sich das Ungarn derzeit lieber dahingehend, das Land in einen Umschlagsplatz für Erdgas unter Einschluss russischer Lieferungen zu positionieren.