Streiks, wenig Gas aus Norwegen, Rallye der LNG-Frachtraten

Die Streikverschärfung in Australien und die verlängerten Wartungsarbeiten in Norwegen sorgen in dieser Woche für wieder steigende Gaspreise. Am deutschen THE stieg der Day-Ahead auf zeitweise über 38 EUR/MWh und damit rund 7 EUR/MWh teurer als in der Vorwoche. Am Terminmarkt verteuerte sich Cal-24 zeitweise auf bis zu 54 EUR/MWh und damit bis zu 4 EUR/MWh teurer als in der Vorwoche.

Streiks in Australien und niedrige Gasflüsse aus Norwegen

Die Streiks in Australien begannen am 8. September und sollen nun zwischen dem 14. September bis 29. September auf schrittweise ganztägige Arbeitsniederlegungen ausgeweitet werden. Dies betrifft alle drei Chevron-Anlagen mit einer Gesamtkapazität von insgesamt 24,5 Mio. Tonnen LNG, was etwa 5-7 Prozent des weltweiten LNG-Angebots entspricht.
Zwar haben sich die Streiks bisher nicht auf die Exporte ausgewirkt. Jedoch sorgen sich die europäischen Händler, dass japanische und chinesische Käufer verstärkt Spotladungen kaufen könnten und damit dem europäischen Gasmarkt die wichtigen Spotlieferungen entziehen.

Die norwegischen Gaslieferungen liegen auch in dieser Woche auf historisch niedrigem Niveau. Die Nominierungen des Betreibers Gassco lagen am Donnerstag bei 144 Mio. Kubikmeter. Gründe sind einerseits ungeplante Wartungsarbeiten in den Gasfeldern Dvalin und Aasta Hansteen, andererseits mehrmalige Verlängerungen der Wartungsarbeiten im Trollfeld. Die wartungsbedingten Ausfälle lagen zeitweise bei über 200 Mio. Kubikmeter.

Rückläufige Einspeicherungen

Die Gasspeicher in Deutschland und in der EU sind zu circa 94 Prozent gefüllt. Damit hat sich insbesondere der Speicherstand in Deutschland seit Beginn des Monats nur um 0,3 Prozentpunkte verbessert.

Die gesamten Netto-Einspeicherungen in Deutschland liegen im laufenden Monat bei insgesamt nur 1300 GWh, die tägliche maximale Einspeicherungskapazität in Deutschland liegt hingegen bei 4265 GWh. Damit wurden im laufenden Monat bisher 78 Prozent weniger einspeichert als im Fünfjahresmittel.

Gründe für die niedrigen Einspeicherungen sind einerseits die gefallenen Gasimporte aus Norwegen und die auslaufende Gasproduktion in Groningen. Andererseits sinkt mit den höheren Füllständen der Gasspeicher die maximal mögliche Einspeicherungskapazität unter die technischen Maximalwerte (in einigen Speichern auf bis zu 20-30 Prozent).

Gestiegene LNG Frachtraten

Als Reaktion auf die geringere europäische Speicherflexibilität haben sich in diesem Jahr bereits früher die Frachtraten für LNG-Lieferungen verteuert. Frachtraten folgen in der Regel einem saisonalen Muster und erreichen ihren Höhenpunkt in den Wintermonaten.

In den Monaten April bis August des laufenden Jahres lagen die Raten bei rund 50000 USD/Tag, im letzten Winter stiegen die Raten auf Allzeithochs bei über 450000 USD/Tag an. Zuletzt startete die Rallye ungewöhnlich früh für den Monat September mit Raten von bis zu 150000 USD/Tag. Die rekordhohen Speicherstände haben damit alternative und teurere Speicheroptionen rentabel gemacht. Eine dieser Alternativen ist das Floating von LNG-Lieferungen auf später datierte Winterverträge. Die schwache Nachfrage im September und Oktober könnte dann im November wieder zu deutlich höheren LNG-Importen in Europa führen.

Dies ist einerseits ein Sicherheitsnetz für die europäische Gasversorgung im Falle eines frühen Kälteeinbruchs. Andererseits ein Preistreiber. Die LNG-Schiffe werden erst dann die europäischen Häfen anlaufen, wenn die Preise am Terminal die hohen Frachtraten ausreichend kompensieren.