Versorgungsängste, globale Handelsspannungen und wiederkehrende Windflauten haben die Gaspreise in dieser Woche bis auf 60 Euro pro MWh getrieben. Die Entwicklung der Handelsvolumina lässt aber noch einen weiteren Grund für den Preisanstieg vermuten.
Teure Sommerpreise machen Sorgen
Der negative Winter-Sommer-Spread führte in den letzten Wochen zu viel Diskussion unter den Händlern. Die Situation am Terminmarkt gibt den Speicherbetreibern keinen ökonomischen Anreiz zur Einspeicherung und damit gerät die Einhaltung der Speicherziele bis zum nächsten Winter in Gefahr.
Sorgen treiben allgemeinhin die Preise nach oben, da mit der Unsicherheit die Energieversorger versuchen, sich für die anstehenden Perioden einzudecken. Folgt man dieser Logik, so sollten in den letzten Wochen die Handelsvolumina für den nächsten Sommer und Winter sich zumindest einigermaßen gleichmäßig nach oben entwickelt haben.
Gestiegene Handelsvolumina
Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Die Nachfrage nach den Sommerkontrakten ist insbesondere im Januar förmlich explodiert. An der EEX wurden im Januar für die TTF Kontrakte Q2/25 und Q3/25 zusammen mehr als 20 TWh gehandelt, bisher im Februar liegt das Handelsvolumen bereits bei rund 9 TWh.
In den Vormonaten November und Dezember 2024 lag das Handelsvolumen für diese Sommerkontrakte jedoch nur bei durchschnittlich 6 TWh pro Monat.
Die Nachfrage nach den Terminkontrakten Q4-25 und Q1-26 stieg im Januar von zuvor monatlich rund 3 TWh auf über 6,5 TWh. Das war zwar auch einer deutlichen Steigerung, machte aber letztendlich weniger als ein Drittel der Sommer-Nachfrage aus.
Spekulation treibt Gaspreise
Es scheint, dass einige Handelsteilnehmer wohl Wetten auf steigende Preise im Sommer geschlossen haben, was den Markt und die Preisentwicklung massiv befeuert hat.
Mit der steigender Abhängigkeit von globalem LNG hat sich der europäische Gasmarkt nicht nur aus fundamentaler, sondern auch finanzieller Sicht global exponiert. Der niederländische TTF gerät zunehmend in den Fokus institutioneller Anleger und spekulativer Akteure.
Prägten in den vergangenen Wintern die geopolitischen und fundamentalen Rahmenbedingungen das Marktgeschehen, so sehen wir in den vergangenen Wochen einen verstärkten Einfluss der spekulativen Marktteilnehmer auf die Preisentwicklung.
Gaspreis um 50 Prozent gestiegen
Vor Beginn des laufenden Winters lag der Preis für Sommer-25 noch bei rund 35 EUR pro MWh, Winter-25 kostete rund 1-2 EUR pro MWh mehr. Seitdem ist der Preis für die Sommersaison bis auf 58 EUR pro MWh gestiegen, ein Plus von rund 50 Prozent.
Dieser massive Preisanstieg ereignete sich ohne signifikante Kältewelle in Zentraleuropa. In Deutschland lag die durchschnittliche Tagestemperatur im Januar bei 3° C, rund 1,6 Grad über der saisonalen Norm und 0,5 Grad wärmer als im Januar 2024.
Auch aus geopolitischer Sicht gab es neben den bestehenden und zugegebenen schlimmen Krisen zumindest mit Fokus auf den Gasmarkt kein nennenswertes neues Ereignis, was diesen Preisanstieg allein hätte rechtfertigen können.
Endverbraucher zahlen die Zeche
Die Gasspeicher der EU-Länder sind zuletzt auf einen Füllstand von 47 Prozent gefallen. Dies ist zwar deutlich weniger als im Vorjahr, war jedoch ein stückweit mit dem Wegfall der russischen Gasflüsse zu erwarten und auch eingepreist.
Kommt kein wesentliches Kälteereignis hinzu, so sollten die Gasspeicher zum Ende des Winters nicht nennenswert unter 30 Prozent fallen. Kein Grund zur Panik, sollte man meinen.
Natürlich ist die Preisentwicklung die Summe vieler Faktoren. Wenn jedoch Versorgungsthemen in den Fokus der Spekulanten geraten, so wird es zumindest für die Schwächsten in diesem Spiel am Ende teuer. Und das sind die Endverbraucher.