Gasmarkt Ausblick Oktober, Nachfrage bearish, LNG unsicher

Für die erste Oktoberhälfte zeichnet sich aus fundamentaler Sicht ein bearishes Bild ab. Die graduelle Rückkehr der norwegischen Gaslieferungen und ein warmer Winterbeginn sprechen für eine entspannte erste Oktoberhälfte an den Gasmärkten.

Unsicher ist jedoch, wie sich das LNG-Angebot entwickeln wird; aus Asien kommen Signale die für eine steigende LNG-Nachfrage dort sprechen. Dazu endet die Gasproduktion in Groningen zum 1. Oktober und die Anlage in Zuidbroek soll einen Teil der wegefallenden Produktion durch Pseudo L-Gas ersetzen.

Ende der Groningen Gasförderung

Die niederländische Regierung hat bestätigt, dass die Gasproduktion im Groningen Gasfeld zum 1. Oktober eingestellt wird. In diesem Winter kann lediglich in Notlagen bei „extremer Kälte“ und in geringem Umfang der Betrieb wieder aufgenommen werden. Die endgültige Schließung ist dann für Oktober 2024 geplant.

Damit geht die Ära der Gasförderung aus dem einst größten Gasfeld Europas zu Ende. Im Winter vor fünf Jahren lag die tägliche Gasförderung noch bei über 1500 GWh/Tag. Zu Beginn des Jahres fielen die Tageswerte auf unter 500 GWh/Tag und fielen das Jahr hindurch graduell weiter auf zuletzt unter 200 GWh/Tag.

Einen bullishen Effekt auf die Gaspreise erwarten wir nicht. Spannend wird sein, ob die neue Anlage in Zuidbroek, welche Stickstoff und H-Gas zu Pseudo L-Gas mischt, ab 1. Oktober 2023 die geplanten Mengen zuverlässig produzieren wird, um die Exportverpflichtungen der Niederlande im Winter zu erfüllen.

Bearishe Fundamentaldaten

Nachdem zwischen der Allianz der australischen Offshore-Arbeiter und Chevron eine Einigung erzielt wurde, sind die Streiks in Australien beendet. Laut Angaben des Betreibers sorgte der zurückliegende Streik für keine Beeinträchtigung der LNG-Verschiffungen.

Die norwegischen Gaslieferungen erholen sich schrittweise und die Wartungsperiode neigt sich dem Ende zu. Am Donnerstag lagen die wartungsbedingten Ausfälle noch bei rund 100 Mio. Kubikmeter. Bis zum Ende der nächsten Woche sollen die Einschränkungen auf rund 30 Mio. Kubikmeter zurückgehen.

Die Wetterprognosen sehen für die ersten zwei Oktoberwochen überdurchschnittliche Temperaturen vor. In der nächsten Woche sollen die Tagesmittel in Deutschland nochmals auf bis zu 19° C steigen, rund 6 Grad über der saisonalen Norm.
Für die Windstromproduktion erwarten wir in den nächsten zwei Wochen in Deutschland Netzleistungen von rund 15 GW auf Normniveau. Die Solarstromproduktion soll mit bis zu 8 GW rund 2 GW über der saisonalen Norm liegen.

LNG-Nachfrage in Asien zieht an

Aus Asien kommen Signale, die für eine demnächst steigende LNG-Nachfrage sprechen könnten. Die japanischen LNG-Speicher sind unterdurchschnittlich gefüllt. Japan hat im laufenden Monat bisher 70 LNG-Ladungen importiert. Um die Lagerbestände aufzufüllen, ist davon auszugehen, dass Japan seine LNG-Importe im Oktober gegenüber dem September erhöht.

Die chinesische Unipec, eine Tochter der führenden asiatischen Raffinerie Sinopec, hat im Rahmen einer Ausschreibung mehr als 30 LNG-Ladungen für Lieferungen von Oktober 2023 bis Ende 2024 gekauft, um den Winterbedarf zu decken und den Handelsbestand zu erhöhen.

Das größte Gasversorgungsunternehmen Indiens GAIL hat eine LNG-Ladung zur Lieferung im Oktober ausgeschrieben.
Diese Aktivitäten und Faktoren stützten zuletzt die asiatischen LNG-Preise. Am asiatischen JKM notierte Frontmonat Nov-23 zuletzt bei 14,60 USD/MMBtu und damit mehr als 2 USD/MMBtu über dem ICE LNG Spark Future für Nordwest-Europa.