Energie- und Aktienmärkte auf Achterbahnfahrt

Der durch die US-Regierung initiierte Zollkonflikt sorgt in dieser Woche weltweit für extreme Volatilität an den Finanz- und Energiemärkten. Das Preisniveau gegenüber dem Vorjahr ist deutlich erhöht und die Gaskraftwerke spielten im vergangenen Winter eine Schlüsselrolle in der Stromerzeugung. Ein Überblick.

Gaspreise sinken auf 6-Monats-Tief

Die Gaspreise waren zu Beginn der Woche am niederländischen TTF unter 35 EUR/MWh gefallen und notierten damit auf dem tiefsten Stand seit sechs Monaten. Der Zollkonflikt zwischen den USA und der EU einerseits und den USA und China andererseits lastet auf den Gaspreisen.

Der dramatische Verfall der US-Staatsanleihen dürfte am Mittwoch die US-Regierung zum Einlenken gedrängt haben. Die eiligst verkündete Zollpause führte im Anschluss zu einer deutlichen Erholung an den Märkten.

Die Finanz- und Energiemärkte fahren Achterbahn wegen der erratischen Vorgehensweise der US-Administration. Ein Ende ist derzeit nicht abzusehen und der Verdacht der Marktmanipulation steht im Raum und wiegt schwer.

Keine Zollpause für China

Bisher hat die US-Administration die Zölle gegen China (104 Prozent) nicht ausgesetzt. China hatte Gegenzölle von 84 Prozent für US-Importe angekündigt. Der Konflikt zwischen den USA und China könnte mit Blick auf den LNG-Markt auch dazu führen, dass Europa nun im Sommer vor einem höheren LNG-Angebot steht als bisher angenommen.

In den letzten 12 Monaten gingen rund 70 LNG-Lieferungen aus den USA nach China. China hatte zuletzt angekündigt vorläufig keine weiteren LNG-Lieferungen der USA zu importieren, diese Lieferungen könnten nun nach Europa umgeleitet werden.

Wegen der erwarteten Gasnachfragezerstörung im industriellen Bereich und der verbesserten LNG-Angebotsprognose dürften sich auch einige spekulative Investoren aus dem Gasmarkt zurückgezogen haben. Die Auflösung dieser Long-Positionen dürfte die Abwärtsbewegung zu Beginn der Woche am Markt unterstützt haben.

Preisniveau gegenüber dem Vorjahr erhöht

Wegen der deutlich leereren Gasspeicher als im Vorjahr zeigt sich dennoch im April 2025 das Preisniveau gegenüber dem Vorjahr deutlich erhöht. Im April 2024 notierte der Gaspreis am TTF-Spotmarkt bei rund 27 EUR/MWh und damit rund 10 EUR/MWh weniger als aktuell.

Am US-amerikanischen Henry Hub haben sich die Preise gegenüber April 2024 von 1,80 USD/MMBtu auf zuletzt 3,80 USDMMBtu (vor Zollkonflikt bei 4,20 USD/MMBtu) mehr als verdoppelt.  Am asiatischen JKM notierte der Frontmonat vor einem Jahr bei rund 9,50 USD/MMBtu gegenüber zuletzt rund 12 USD/MMBtu, eine Verteuerung von rund 30 Prozent.

Die hohen Gaspreise belasten die asiatische Region, insbesondere China, wo die Gasnachfrage im Zeitraum Januar-Februar um 3,5 Prozent zurückging. Die chinesischen Käufer reduzierten daher ihre Nachfrage nach Spot-LNG-Lieferungen, langfristige, ölindexierte LNG-Verträge dürften damit für sie im Geld sein und wurden bevorzugt.

Erdgas Schlüsselrolle für Strommarkt

Die kombinierte europäische Stromerzeugung aus Wind- Solar- und Wasserkraft ist im zurückliegenden Winter um rund 70 TWh gegenüber dem Winter 2023 gesunken – ein Rückgang von rund 10 Prozent.

Die dadurch wiederholt auftretenden Dunkelflauten sorgten für hohe Preisschwankungen an den Energiemärkten. Den Gaskraftwerken kam dabei eine Schlüsselrolle zur Unterstützung des Stromsystems zu.

Die Stromproduktion der Gaskraftwerke stieg in diesem Zeitraum um rund 50 TWh, was einem Anstieg von rund 20 Prozent gegenüber der Vorperiode entsprach. Durchschnittlich waren rund 50 GW Stromleistung aus den Gaskraftwerken am Netz, gegenüber rund 40 GW im Winter 2023.

Der vergangene Winter zeigte damit eindrücklich, wie wichtig die Flexibilität am Gasmarkt für die Stromversorgungssicherheit ist.